Montag, 24. Juni 2013

Inhaltsangabe: Heiße Spur von Linda Howard

Inhaltsangabe: Heiße Spur von Linda Howard

Linda Howard beschreibt in dem Roman „Heiße Spur“ wie eine junge Mutter alles tun würde um ihr Kind wieder zu finden, auch wenn jeder in ihrem Bekanntenkreis die Hoffnung längst aufgegeben zu haben scheint.
Milla und ihr Mann David leben für ein Jahr in Mexiko. David ist Arzt und arbeitet dort in einer Armenklinik um den Menschen dort ein besseres Leben zu ermöglichen. Milla hatte eigentlich den Plan Lehrerin zu werden, als sie jedoch schwanger wird, ändern sich ihre Pläne. Sie bekommt ihren Sohn Justin in Mexiko. Als er sechs Wochen alt ist, geht sie mit ihm auf den Markt um neue Lebensmittel einzukaufen. Der Junge schläft in einem Tragetuch an ihre Brust gebunden, als plötzlich zwei Männer aus der Menge kommen und das Tragetuch durchschneiden. Einer der Männer raubt ihr ihren Sohn. Doch Milla wehrt sich wie eine Tigermutter und kratzt einem der Männer ein Auge aus und verpasst ihm auffällige Narben. Als sie gerade glaubt ihren Sohn wieder in ihren Armen zu spüren, explodiert ein unglaublicher Schmerz in ihrem Rücken. Der zweite Mann hat sie von hinten niedergestochen.
Milla wird schwer verletzt in das Krankenhaus gebracht, in dem ihr Mann und einige ihrer Freunde arbeiten. Milla springt nur mit Glück und dank des Könnens ihrer Freunde dem Tod von der Schippe.
Als sie gerade wieder erwacht, gibt es nur noch einen Gedanken für Milla: Sie muss ihren Sohn wiederfinden.
Auf der Suche zerbricht die Ehe zu David, und sie wirft alle Zukunftspläne über den Haufen. Sie ruft eine Organisation Namens „Finders“ ins Leben, die nach vermissten und entführten Kindern und später auch nach Erwachsenen sucht. Die freiwilligen Helfer sind über das ganze Land verteilt und können jeder Zeit mobilisiert werden. Währenddessen sucht Milla verzweifelt weiter nach ihrem eigenen Sohn.
Als ihr 10 Jahre nach der Entführung ein anonymer Tipp gegeben wird, stößt sie auf den mysteriösen Diaz. Und obwohl der Mann sehr gefährlich zu sein scheint, wird ihr schnell klar, dass sie nur mit ihm eine wahre Chance hat endlich ihren Sohn wieder zu finden.



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Sonntag, 16. Juni 2013

Inhaltsangabe und Beschreibung der Personen: Medea. Stimmen von Christa Wolf

Inhaltsangabe und Beschreibung der Personen: Medea. Stimmen von Christa Wolf

In Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“ aus dem Jahr 1995 geht es um die kolchische Königstochter Medea. In der ersten der elf Stimmen erzählt Medea, wie sie mit ihrem Mann Jason nach Korinth kam und welche Probleme die beiden hatten, in Korinth akzeptiert zu werden. Der Roman beginnt zu einem Zeitpunkt als Medea bereits von Jason getrennt lebt. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen, Meidos und Pheres, und ihrer Vertrauten Lyssa außerhalb der Palastmauern. Medea machte sich die Korinther zu Feinden, weil sie in der Stadt aufrechter ging als die korinthischen Stadtbewohner, sie verlangte für ihre Dienste als Heilerin keine Gegenleistung und versuchte hinter das Geheimnis der Stadt zu gelangen. 
Diese Bestrebungen riefen den ersten Astronom des Königs, Akamas, und dessen Helfer, Turon, auf den Plan, die zusammen mit Agameda, Medeas ehemalige Schülerin, und Presbon versuchen Medea Straftaten anzuhängen, die sie nicht begangen hat. 
Jason hat sich inzwischen im Palast eingelebt und plant, die zweite Königstochter von Korinth, Glauke, zu heiraten, obwohl er noch mit Medea verheiratet ist und sie immer noch hin und wieder besucht.
Glauke ist krank und beobachtet auf ihre eigene Art, was im Palast vor sich geht. Sie liebt Jason, ist aber sehr unsicher, da sie weiß, dass sie auf Männer kaum anziehend wirkt. 
Ihr Vater, König Kreon von Korinth, gab die Geschäfte an Akamas, ohne es wirklich bemerkt zu haben, da dieser ihm vorgaukelt, dass immer noch Kreon selbst alle Entscheidungen treffe. 
Königin Merope ist sehr in sich zurückgezogen, da ihre erstgeborene Tochter Iphinoe vor einigen Jahren geopfert wurde. Seit dem lebt sie in ihren eigenen Gemächern und kommt nur noch zu wichtigen Anlässen heraus, aber auch dann spricht sie kein Wort.
Lyssa versucht, Medea vor Agamedas, Presbons und Akamas' Machenschaften zu warnen, allerdings kann Medea nicht glauben, dass es Menschen gibt, die ihr so viel Böses wünschen. 
Leukon ist der zweite Astronom des Königs und ein Vertrauter Medeas. Er weiß, was gegen Medea geplant wird, versucht Medea auch zu warnen, entzieht sich aber der Verantwortung in dem er behauptet, dass er nichts am Ausgang der Ereignisse hätte verhindern können.
Oistros ist Medeas Geliebter und versucht, sie zu unterstützen. Er glaubt immer an ihre Unschuld und rettet sie sogar vor einer Meute, die sie verfolgt. Medea fühlt sich in seiner Gegenwart sicher.
Arethusa ist eine Kreterin und hat eine Beziehung zu dem Mann, der immer nur „Der Alte“ genannt wird, außerdem hat sie eine weitere Beziehung zu Leukon. Arethusa ist eine gute Freundin für Medea und hat einen positiven Einfluss auf Leukon. 
Am Ende wird Medea der Prozess gemacht, und sie wird ohne ihre Söhne aus der Stadt vertrieben. Jahre später erfährt sie von Arinna, Lyssas Tochter, dass ihre Söhne kurz nach ihrer Verbannung getötet wurden, auch das wurde Medea in die Schuhe geschoben.




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Rezension: Medea. Stimmen von Christa Wolf

Rezension: Medea. Stimmen von Christa Wolf

Zur Beschreibung des Inhalts von Christa Wolf siehe oben.
Christa Wolf beschreibt in ihrem historischen Roman das Leben der Medea aus einer eher feministischen Sicht. So hat Wolf nicht nur Medea von der Schuld der Kindsmörderin freigesprochen, sondern auch das Motiv, aus dem Medea mit Jason ihre Heimat verließ, geändert. In Euripides Fassung verließ Medea Kolchis aus Liebe zu Jason, in Christa Wolfs Fassung verlässt Medea die Stadt, weil sie mit der Politik ihres Vaters nicht mehr Leben kann.
Die Multiperspektivität versetzt den Leser in die Lage, die Meinungen und Beweggründe einiger Hauptpersonen zu ergründen. Medea, Jason, Glauke, Leukon, Agameda, Akamas schildern die Geschehnisse jeweils aus ihrer Sicht der Dinge, und nicht in einer chronologischen Reihenfolge, sondern jeweils immer beginnend an einem bestimmten Ereigniss. So ergeben sich im Laufe der Stimmen viele Puzzelteile, die sich erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Aber gerade das macht das Buch so lesenswert. Durch die Multiperspektivität kann man das Verhalten von nahezu jedem nachvollziehen, weil man sich in die Person hineinversetzt und deshalb erkennt, dass das Verhalten der Personen für sie sinnvoll erscheint.
Wir haben das Buch damals in der Schule gelesen und mir hat es ausgesprochen gut gefallen, gerade weil Christa Wolf nicht nur einen eigenen Erzählstil hat, sondern auch ein besonderes Medium – die Multiperspektivität – verwendet.
Ich kann Christa Wolfs „Medea. Stimmen“ jedem empfehlen, da es eine ansprechende Geschichte aus der Vergangenheit, in ein neues Licht hüllt und diese mit Elementen aus der nicht allzu fernen deutschen Vergangenheit verknüpft und damit auch politisch interessant ist.

Leseprobe: Medea. Stimmen von Christa Wolf

Leseprobe: Medea. Stimmen von Christa Wolf


Alles, was ich begangen habe bis jetzt,
nenne ich Liebeswerk . . .
Medea bin ich jetzt,
gewachsen ist meine Natur durch Leiden.

Seneca, ›Medea‹



Medea
Auch tote Götter regieren. Auch Unglückselige bangen um ihr Glück. Traumsprache. Vergangenheitssprache. Hilft mir heraus, herauf aus dem Schacht, weg von dem Geklirr in meinem Kopf, warum höre ich das Klirren von Waffen, kämpfen sie denn, wer kämpft, Mutter, meine Kolcher, höre ich ihre Kampfspiele in unserem Innenhof, oder wo bin ich, wird denn das Geklirr immer lauter. Durst. Ich muß aufwachen. Ich muß die Augen öffnen. Der Becher neben dem Lager. Kühles Wasser löscht nicht nur den Durst, es stillt auch den Lärm in meinem Kopf, das kenn ich doch. Da hast du neben mir gesessen, Mutter, und wenn ich den Kopf drehte, so wie jetzt, sah ich die Fensteröffnung, wie hier, wo bin ich, da war doch kein Feigenbaum, da stand doch mein geliebter Nußbaum. Hast du gewußt, daß man sich nach einem Baum sehnen kann, Mutter, ich war ein Kind, fast ein Kind, ich hatte zum erstenmal geblutet, aber ich war doch nicht deswegen krank, du hast doch nicht deswegen bei mir gesessen und mir die Zeit vertrieben, den Kräuterumschlag auf Brust und Stirn gewechselt, mir meine Hände dicht vor die Augen gehalten und mir die Linien in den Handflächen gezeigt, zuerst die linke, dann die rechte, wie verschieden, du hast mich gelehrt, sie zu lesen, oft habe ich mich ihrer Botschaft entzogen, habe die Hände zu Fäusten geballt, habe sie ineinander verschlungen, habe sie auf Wunden gelegt, habe sie zu der Göttin aufgehoben, habe das Wasser vom Brunnen getragen, das Leinen mit unseren Mustern gewebt habe sie in den warmen Haaren der Kinder vergraben. Einmal, Mutter, in einer anderen Zeit, habe ich mit meinen beiden Händen zum Abschied deinen Kopf umspannt, seine Form ist als Abdruck in meinen Handflächen geblieben, auch Hände haben ein Gedächtnis. Jeden Flecken von Jasons Körper haben diese Hände abgetastet, erst heute nacht, aber ist denn jetzt Morgen, und welcher Tag. Ruhig. Ganz ruhig, eins nach dem anderen. Besinn dich. Wo bist du. Ich bin in Korinth. Der Feigenbaum vor der Fensteröffnung der Lehmhütte war mir ein Trost, als sie mich aus dem Palast des Königs Kreon wiesen. Warum? Das kommt später. Ist das Fest vorüber, oder muß ich noch hingehen, wie ich es Jason schließlich zugesagt habe. Du kannst mich jetzt nicht im Stich lassen, Medea, von diesem Fest hängt viel ab. Nicht für mich, habe ich ihm gesagt, und das weißt du auch, aber meinetwegen, ich komme, habe ich zu ihm gesagt, aber das ist das letzte Mal. Du hast mir damals jene winzige Linie in der linken Hand mit dem Fingernagel nachgezogen, du hast mir gesagt, was es bedeuten würde, wenn sie irgendwann einmal die Lebenslinie kreuzte, du hast mich gut gekannt, Mutter, lebst du noch. Sieh her. Da kreuzt diese winzige Linie, die sich vertieft hat, die andere. Paß auf, hast du gesagt, Hochmut läßt dein Inneres erkalten, mag ja sein, aber Schmerz, Mutter, Schmerz hinterläßt auch eine wüste Spur. Wem sage ich das. Wie dunkel es auch gewesen ist, als wir an Bord der »Argo« gingen, deine Augen habe ich gesehen und nicht vergessen können, ihr Blick brannte mir ein Wort ein, das ich vorher nicht kannte: Schuld. Jetzt klirrt es wieder, es ist das Fieber, aber mir ist doch, als hätte ich an dieser Tafel gesessen, nicht gerade neben Jason, war das gestern, bleib hier, Mutter, woher kommt diese Müdigkeit, ich will nur noch ein wenig schlafen, gleich steh ich auf, ich ziehe das weiße Kleid an, das ich selbst gewebt und genäht habe, wie du es mir beigebracht hast, dann gehen wir wieder gemeinsam durch die Gänge unseres Palastes, und ich werde froh sein, wie ich es als Kind gewesen bin, wenn du mich an die Hand genommen und auf den Innenhof geführt hast, zu dem Brunnen in der Mitte, weißt du, daß ich nirgendwo einen schöneren angetroffen habe, und eine der Frauen zieht uns den Holzeimer hoch, und ich schöpfe das Quellwasser und trinke, trinke und werde gesund. Es ist nämlich so: Entweder ich bin von Sinnen, oder ihre Stadt ist auf ein Verbrechen gegründet. Nein, glaub mir, ich bin ganz klar, mir ist ganz klar, was ich da sage oder denke, ich habe ja den Beweis gefunden, mit diesen Händen habe ich ihn betastet, ach, Hochmut ist es nicht, was mich jetzt bedroht. Ich bin ihr doch nachgegangen, der Frau, vielleicht wollte ich auch Jason eine Lehre erteilen, der geduldet hatte, daß man mich an das Ende der Tafel zwischen die Dienstleute setzte, richtig, das habe ich nicht geträumt, das war gestern. Jedenfalls sind es die höheren Dienstleute, hat er kläglich gesagt, mach keinen Skandal, Medea, nur heute nicht, ich bitte dich, du weißt, was auf dem Spiel steht, das Ansehen des Königs vor all den ausländischen Gästen. Ach Jason, streng dich nicht an. Er hat noch nicht begriffen, daß König Kreon mich nicht mehr kränken kann, aber darum geht es jetzt nicht, ich muß meinen Kopf frei haben. Ich muß mir versprechen, daß ich mit keiner Menschenseele jemals über meine Entdeckung reden werde, am liebsten würde ich es so machen, wie wir es als Kinder gemacht haben, Chalkiope und ich, weißt du das, Mutter, wir wickelten unser Geheimnis fest in ein Blatt ein und aßen es auf, indem wir uns unverwandt in die Augen blickten, unsere Kindheit, nein, das ganze Kolchis war voller dunkler Geheimnisse, und als ich hier ankam, als Flüchtling in König Kreons schimmernder Stadt Korinth, da dachte ich neidvoll: Diese hier haben keine Geheimnisse. Und das glauben sie auch selbst von sich, das macht sie so überzeugend, mit jedem Blick, mit jeder ihrer maßvollen Bewegungen schärfen sie dir ein: Es gibt einen Ort auf der Welt, da kann der Mensch glücklich sein, und spät erst ging mir auf, daß sie es dir sehr übelnehmen, wenn du ihnen ihr Glück bezweifelst. Aber darum geht es doch gar nicht, was ist nur mit meinem Kopf, daß er die Gedanken in ganzen Schwärmen losläßt, warum fällt es mir so schwer, den einen Gedanken aus dem Schwarm herauszufischen, den ich brauche. Ich hatte das Glück, daß ich an der Tafel des Königs zwischen meinen Freund Leukon, den zweiten Astronomen des Königs, und Telamon zu sitzen kam, den kennst du auch, Mutter, es war derjenige der Argonauten, der zusammen mit Jason in unseren Palast kam, nachdem sie an der Küste von Kolchis gelandet waren, ich mußte mich also nicht langweilen beim Festmahl, denn Leukon ist ein kluger Mann, mit dem ich gerne rede, es ist eine Sympathie zwischen uns, und Telamon, ein wenig ungefüge, aber mir treu ergeben seit jenem ersten Nachmittag in Kolchis vor so vielen Jahren, die ich kaum zählen kann, er versucht, in meiner Gegenwart besonders witzig, auch besonders obszön zu sein, wir hatten zu lachen, und ich, entschlossen, den König von meinem minderen Platz aus zu strafen, legte das Benehmen einer Königstochter an den Tag, die ich allerdings auch bin, nicht wahr Mutter, die Tochter einer großen Königin. Es fiel mir nicht schwer, Aufmerksamkeit zu erregen und Respekt einzufordern, selbst von den fremden Gesandten aus Libyen und von den Inseln im Mittelmeer, Telamon spielte mit, wir brachten den armen Jason in die Klemme, hin und her gerissen zwischen der Botmäßigkeit gegenüber einem König, von dem wir allerdings abhängen, und seiner Eifersucht, trank er mir verstohlen zu und beschwor mich mit Blicken, meinen Übermut nicht zu weit zu treiben, aber wenn der König zu einer seiner Tiraden ansetzte, mußte er an seinen Lippen hängen. An unserem Tischende war es lustig, jetzt fällt mir alles wieder ein. Wie die beiden Männer an meiner Seite sich um mich zu streiten begannen, wie Leukon, der große, schlanke, etwas ungelenke Mensch mit dem ovalen Schädel, der wohl Spaß versteht, selbst aber keinen Spaß machen kann, dem hünenhaften, blondlockigen Telamon ernstlich meine Fähigkeiten als Heilerin anzupreisen begann, wie Telamon darauf lauthals von meinen körperlichen Vorzügen schwärmte, die braune Haut, sagte er, das Wollhaar, das wir Kolcher alle haben und das Jason gleich für mich eingenommen habe, ihn übrigens auch, aber was sei er schon gegen Jason, er wurde sentimental, wie die starken Männer es leicht werden, meine Glutaugen, sagte er, du kennst ihn ja, Mutter, immer, wenn ich ihn sehe, fällt mir ein, wie du, als er bei uns in der Tür stand, die Hand vor den Mund geschlagen und wie im Schreck Oi! gerufen hast, anerkennend, wenn ich nicht irre, und wie deine Augen dabei funkelten, und wie ich merkte, daß du noch keine alte Frau warst, und ich unwillkürlich an den sauertöpfischen, mißtrauischen Vater denken mußte. Ach, Mutter. Ich bin keine junge Frau mehr, aber wild noch immer, das sagen die Korinther, für die ist eine Frau wild, wenn sie auf ihrem Kopf besteht. Die Frauen der Korinther kommen mir vor wie sorgfältig gezähmte Haustiere, sie starren mich an wie eine fremde Erscheinung, wir drei Vergnügten an unserem Tafelende zogen alle Blicke auf uns, all die neidvollen und empörten Blicke der Hofgesellschaft und die flehenden des armen Jason, nun ja. Warum bin ich der Frau nachgegangen, der Königin, die ich, solange ich in dieser Stadt Korinth bin, kaum je zu Gesicht bekommen habe. Eingesponnen in ein dichtes Netz schauerlicher Gerüchte, zuverlässig verborgen hinter ihrer Unnahbarkeit, verbringt sie ihre Tage und Nächte im entlegensten, ältesten Teil des Palastes, in dickwandigen Kammern, die lichtarmen Höhlen gleichen sollen, eher eine Gefangene als eine Herrscherin, bedient und bewacht von zwei seltsam urtümlichen Weibern, die ihr aber auf ihre Weise treu ergeben sein sollen, ich glaube, sie kennt meinen Namen nicht, und ich hatte keinen Gedanken verschwendet an die unglückliche Königin eines Landes, das mir fremd geblieben ist und immer fremd bleiben wird. Wie mein Kopf mich schmerzt, Mutter, etwas in mir wehrt sich dagegen, noch einmal in diese Höhlen hinunterzusteigen, in die Unterwelt, in den Hades,wo gestorben und wiedergeboren wird seit alters her, wo aus dem Humus der Toten Lebendiges gebacken wird, zu den Müttern also, zur Todesgöttin, zurück. Aber was heißt da vorwärts, was zurück. Das Fieber steigt, ich mußte es tun. Ich habe diese Frau an Kreons Seite zum ersten Mal gesehen, Mutter, mit jenem Zweiten Blick, den du an mir bemerkt hast. Ich wehrte mich bis zum äußersten, bei diesem jungen Priester in die Lehre zu gehen, lieber wurde ich krank. Jetzt erinnere ich mich, das war die Krankheit, während der du mir meine Handlinien zeigtest, der Priester hat später scheußliche Verbrechen begangen, er war nicht normal, da sagtest du, das Kind hat den Zweiten Blick. Er ist mir hier fast abhanden gekommen, manchmal denke ich, die krankhafte Furcht der Korinther vor dem, was sie meine Zauberkräfte nennen, hat mir diese Fähigkeit ausgetrieben. So erschrak ich, als ich die Königin Merope sah. Daß sie wortlos neben König Kreon saß, daß sie ihn zu hassen, er sie zu fürchten schien, das konnte jeder sehen, der Augen im Kopf hatte. Ich meine etwas anderes. Ich meine, daß es auf einmal ganz still wurde. Daß jenes Flimmern vor meinen Augen erschien, das dem Zweiten Gesicht vorausgeht. Daß ich in dem riesigen Saal mit dieser Frau allein war. Da sah ich sie, ihre Aura fast vollständig verdunkelt von unstillbarem Leid, so daß mich ein Entsetzen erfaßte und ich ihr nachgehen mußte, als sie, kaum war das Mahl beendet, aufstand und ohne ein erklärendes Wort, ohne einen Gruß wenigstens für die fremden Kaufleute und Gesandten, steif in ihrem golddurchwirkten Festkleid hinausging und den König zwang, ihre Ungehörigkeit zu überspielen durch schnelleres Reden, lauteres Lachen. Von Herzen gönnte ich ihm seine Niederlage. Er muß diese Frau gezwungen haben, all diesen neugierigen eitlen Leuten ihr zerstörtes Gesicht hinzuhalten, wie mich Jason dazu gebracht hat, ihnen eine Komödie vorzuspielen. Jetzt war es genug. Wir gingen, beide aus dem gleichen Grund: Stolz. Das habe ich nie vergessen, daß du mir einmal gesagt hast, wenn sie mich umbringen würden, meinen Stolz müßten sie noch extra erschlagen. So ist es geblieben, und so soll es bleiben, und es wäre gut für meinen armen Jason, wenn er das rechtzeitig erkennen würde. Ich folgte der Frau. Der Gang, der zum Festsaal führt, wie oft bin ich ihn gegangen, als Jasons, des königlichen Neffen und Gastfreunds geachtete Frau, an seiner Seite, in Zeiten, die mir glücklich erschienen. Wie habe ich mich so täuschen können, aber nichts täuscht sicherer als Glück, und es gibt keinen Platz, der die Schärfe der Wahrnehmung so trübt wie der Platz im Gefolge des Königs. Merope war wie vom Erdboden verschluckt, es mußte einen Ausschlupf geben, ich suchte und fand ihn hinter Fellen versteckt, ich nahm eine der Fackeln aus ihrer Halterung und schlüpfte in den Gang, der bald so niedrig wurde, daß ich nur noch gebückt gehen konnte, oder habe ich das geträumt, das düstere Kellergewölbe, des Königs herrlicher lichter Palast als sein eigenes Gegenbild noch einmal in die Tiefe, ins Finstere gebaut. Die Steintreppen, Stockwerk um Stockwerk hinunter, das muß ich geträumt haben, aber die Kälte, die habe ich doch nicht geträumt, ich schlottere ja immer noch, und die Schärfe der Steine, die mir die Haut ritzten, woher sonst wären meine Arme so voller verschorfter Kratzer, und dann im letzten, tiefsten Grund, in jenem Keller, in dem sich sogar in diesem trockenen Land Wasser sammelt, der Einstieg in das Höhlengewirr, zwei Stufen nehmen und dann bäuchlings hinein, und weiterkriechen, die Fackel schützend, die nur noch flackert, nicht mehr an Merope denken, die mir voraus sein mochte oder nicht, an nichts und niemanden mehr denken, weiter müssen, immer weiter, die Höhle, zu der der Gang sich schließlich erweiterte, war mir traumbekannt, oder woher wußte ich, daß hier der Weg sich gabelte, woher wußte ich, daß ich mich links zu halten hatte, daß bald meine Fackel erlöschen würde. Sie erlosch. Dann war der Gang so eng, daß ich rückwärts hätte kriechen müssen, um hinauszukommen, mußte also weiter, wissend, es könnte mein Verderben sein, immer wieder verirrt sich jemand in unterirdischen Höhlen und kommt darin um, will ich umkommen, die Frage hat mich gestreift, ich habe den Mund verzogen und bin weitergekrochen, dann leckte ich von den Wänden sickernde Feuchtigkeit, ein geschmackloses Naß, dann spürte ich, daß die Zusammensetzung der Luft sich veränderte, dann sträubte sich mir das Haar, noch ehe ich den Ton hörte. Dann hörte ich den Ton. Er hielt länger an, als ein Mensch Atem hat, ein kaum hörbares, doch durchdringendes Winseln, das konnte auch ein Tier sein, aber es war kein Tier. Es war die Frau. Es war Merope. Ich wollte zurück, nur noch zurück, und schob mich Stück für Stück vorwärts. Der Ton brach ab, der Hammer in meiner Brust über dröhnte jeden anderen Laut, das tut er auch jetzt, hämmert bis in die Schläfen, dann sah ich, als meine Augen in der Finsternis die Richtung gefunden hatten, im matten Schein ihres Öllämpchens die Königin sitzen, steil aufgerichtet an die Felswand gelehnt, die Augen unverwandt auf einen gegenüberliegenden Punkt geheftet. Klatschnaß vor Schweiß war ich in dieser Eiseskälte, ich stank vor Grauen, das war mir noch nie passiert, in mir regte sich etwas, das ich unter...

Samstag, 15. Juni 2013

Inhaltsangabe: In meinem Himmel von Alice Sebold

Inhaltsangabe: In meinem Himmel von Alice Sebold

Im Roman „In meinem Himmel“ von Alice Sebold geht es um die 14-jährige Susie Salmon. Das Mädchen erzählt seine Geschichte. Sie erzählt, wie es vergewaltigt und ermordet wurde, und was daraufhin mit ihm geschah. Sie beobachtet vom Himmel aus ihre Familie, aber auch ihre Freunde und ihren Schwarm.
Die Erzählung beginnt damit, dass Susie erzählt, wie sie gelebt hat, und was an dem Abend, an dem sie starb, passierte.
Am Anfang schafft sie es nicht, mit ihrem Tod umzugehen und damit ihre Familie zwar sehen, aber nicht mit ihnen reden zu können. Ihre Mutter schafft es nicht, mit dem Tod ihrer ältesten Tochter umzugehen, so dass sie bald nach Susies  Tod ihren Mann betrügt und danach verschwindet. Sie schickt ihren beiden lebenden Kindern zwar immer wieder Postkarten, dennoch ist das Verhältnis zwischen Abigail und ihrer Tochter Lindsey sehr schlecht.
Jack, Susies Vater, vermisst seine Tochter, vergräbt sich in seiner Tochter und versucht ihren Mörder zu finden. Er gibt seinen Kindern Halt und versucht sie zu unterstützen.
Buckley ist Susies 4-jähriger Bruder. Die Geschichte des Romans zieht sich über mehrere Jahre hinweg und man kann Buckley aufwachsen sehen. Dabei ist eine deutliche Entwicklung bei Buckley zu erkennen.
Lindsey ist Susies zwei Jahre jüngere Schwester. Als Susie ermordet wird, versucht Samuel, ein Mitschüler von Lindsey, diese zu trösten. Susie beobachtet, wie sich Lindsey weiterentwickelt. Wie sie ihren ersten Kuss bekommt, wie sie ihr erstes Mal mit Samuel hat und wie sie schwanger wird und sie sich verloben. So kann Susie das Leben führen, dass sie niemals hatte.
Ihre Familie spürt, dass Susie immer noch da ist und sie sehen sie immer wieder um sich herum, beispielsweise in eine Fensterscheibe.
Während sich die Familie von Susie im Roman weiterentwickelt, versucht die Polizei Hinweise auf den Mörder von Susie zu finden.
Ruth, eine Mitschülerin von Susie, und Ray, Susies Schwarm versuchen ebenfalls Susies Mörder zu finden. Zwischen den beiden entwickelt sich Zuneigung, wobei daraus nichts außer Freundschaft entsteht. Als Susie starb, stieß ihr Geist mit Ruth zusammen, die daraufhin eine besondere Verbindung zu der Toten hat. 

Und wer das Ende schon wissen möchte: 
Der Roman endet damit, dass all ihre Freunde und ihre Familie gelernt haben mit dem Verlust von Susie umzugehen, sie schaffen es ihr Leben fortzusetzen.



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Freitag, 14. Juni 2013

Rezension: In meinem Himmel von Alice Sebold

Rezension: In meinem Himmel von Alice Sebold 

Den Inhalt des Romans „In meinem Himmel“ von Alice Sebold könnt ihr oben nachlesen.
Alice Sebold verarbeitet in ihrem Roman das grauenvollste Unheil, das einem Menschen geschehen kann. Die Familie Salmon verliert ihre 14jährige Tochter und Schwester Susie im Dezember 1973. Die junge Frau wird am Anfang des Buches vergewaltigt und brutal ermordet. Sie braucht einige Tage bis sie verarbeiten kann, dass sie vom Himmel aus zwar das Leben ihrer Familie beobachten, aber nicht beeinflussen kann.
Sebold beeindruckt mit einem rührenden Krimi, in dem man von vorne bis hinten mit der Schwester Lindsey und ihrem Vater mitfiebert, wenn sie versuchen das Verbrechen an Susie aufzuklären.
Ich persönlich fand, dass Susies Mutter im Roman sehr unsympathisch wirkte, was auch an ihrer tiefen Trauer um ihre Tochter liegen kann, die sie nicht richtig auszudrücken vermag.
Der Vater, aber auch die Lindsey und Buckley wirken auf mich sehr sympathisch, genau wie Susie, da man sie in vielen Rückblenden besser kennen lernen kann.
An den Rückblenden liegt aber auch das Problem, das ich mit Sebolds Roman „In meinem Himmel“ hatte. Am Anfang springt sie oft von einer Szenerie zur nächsten, so dass man irgendwann nicht mehr richtig mitkommt, wo sie gerade ist, ob Susie noch lebt oder nicht und wie die Familienkonstellation gerade ist.
Was mir sehr nahe gegangen war, war der Gedanke, der sich immer wieder im Roman findet: Manchmal ist man den Toten näher, als den Lebenden.
Das gibt viel Stoff zum Nachdenken und Philosophieren, allerdings kann man das Buch auch einfach als Freizeitlektüre lesen.
Mir hat Alice Sebolds „In meinem Himmel“ sehr gut gefallen, und kann es nur jedem weiterempfehlen.

Leseprobe: In meinem Himmel von Alice Sebold

 Leseprobe: In meinem Himmel von Alice Sebold

Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie. Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde. Auf Zeitungsfotos in den Siebzigern sahen die vermissten Mädchen meistens aus wie ich: hellhäutig und mit mausbraunen Haaren. Das war, bevor Bilder von Kindern aller Hautfarben und Geschlechter nach und nach auf Milchtüten und in der Tagespost auftauchten. Damals glaubten die Leute noch, so etwas geschehe einfach nicht.
Für mein Jahrbuch in der Junior High hatte ich mir ein Zitat von einem spanischen Dichter ausgesucht, auf den mich meine Schwester aufmerksam gemacht hatte, Juan Ramón Jiménez. Es ging so: "Wenn sie dir liniertes Papier geben, dann schreib quer dazu." Ich wählte es, weil es meine Verachtung für eine klar strukturierte Umgebung wie mein Klassenzimmer ausdrückte und ich außerdem fand, dass es mich, da es kein bescheuertes Zitat von einer Rockband war, als literarisch gebildet kennzeichnete. Ich war Mitglied des Schachclubs und der Chemie-AG und ließ alles anbrennen, was ich in Mrs. Delminicos Hauswirtschaftsunterricht zuzubereiten versuchte. Mein Lieblingslehrer war Mr. Botte, bei dem wir Biologie hatten, und der die Frösche und Krebse, die wir sezieren mussten, gern zu neuem Leben erweckte, indem er sie in ihren gewachsten Tiegeln tanzen ließ.
Mr. Botte hat mich übrigens nicht getötet. Glauben Sie nicht, dass jeder Mensch, dem Sie hier begegnen, verdächtig ist. Das ist das Problem. Man kann nie wissen. Mr. Botte kam zu meiner Trauerfeier (wie, wenn ich das hinzufügen darf, fast die gesamte Junior High - so beliebt war ich noch nie) und weinte ziemlich heftig. Er hatte ein krankes Kind. Das wussten wir alle, und obwohl wir uns manchmal dazu zwingen mussten, lachten wir deshalb mit, nur, um ihn glücklich zu machen, wenn er über seine eigenen Witze lachte, die schon einen Bart hatten, ehe er mein Lehrer wurde. Seine Tochter starb anderthalb Jahre nach mir. Sie hatte Leukämie, aber in meinem Himmel habe ich sie nie gesehen.
Mein Mörder war ein Mann aus unserer Nachbarschaft. Meiner Mutter gefielen seine Blumenrabatten, und mein Vater unterhielt sich mal mit ihm über Düngemittel. Mein Mörder glaubte an altmodische Zutaten wie Eierschalen und Kaffeesatz, die, wie er sagte, seine eigene Mutter schon benutzt hatte. Mein Vater kam lächelnd nach Hause und riss Witze darüber, dass der Garten des Mannes zwar wunderschön sein mochte, aber zum Himmel stinken würde, sobald eine Hitzewelle zuschlüge.
Am 6. Dezember 1973 allerdings schneite es, und ich nahm auf dem Heimweg von der Schule eine Abkürzung durch das Maisfeld. Es war bereits dunkel, da die Tage im Winter kürzer sind, und ich erinnere mich, wie die abgebrochenen Maisstängel mir das Gehen erschwerten. Der Schnee fiel sacht, wie ein Schauer aus kleinen Händen, und ich atmete durch die Nase, bis sie so sehr lief, dass ich den Mund aufmachen musste. Zwei Meter von Mr. Harvey entfernt streckte ich die Zunge heraus, um eine Schneeflocke zu kosten.
"Krieg keinen Schreck", sagte Mr. Harvey.
Natürlich erschrak ich in einem Maisfeld im Dunkeln.
Nachdem ich tot war, fiel mir ein, dass ein leichter Duft von Kölnischwasser in der Luft gelegen hatte, ich jedoch nicht darauf geachtet oder geglaubt hatte, er käme von einem der Häuser vor mir. "Mr. Harvey", sagte ich.
"Du bist das ältere Salmon-Mädchen, stimmt's?" "Ja."
"Wie geht's zu Hause?"
Obgleich Älteste von drei Geschwistern und oft die Beste in einer Klassenarbeit in Naturkunde, fühlte ich mich in Gegenwart von Erwachsenen nie ganz wohl.
"Gut", sagte ich. Ich fror, aber die natürliche Autorität seines Alters und dazu die Tatsache, dass er ein Nachbar war und sich mit meinem Vater über Düngemittel unterhalten hatte, ließen mich wie angewurzelt stehen bleiben.
"Ich habe hier was gebaut", sagte er. "Möchtest du es sehen?"
"Mir ist ein bisschen kalt, Mr. Harvey", sagte ich, "und meine Mom hat es gern, wenn ich vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause bin."
"Es ist schon dunkel, Susie", sagte er.
Heute wünschte ich, ich hätte gemerkt, wie unheimlich das war. Ich hatte ihm meinen Namen nie genannt. Vermutlich dachte ich, mein Vater hätte ihm eine der peinlichen Anekdoten erzählt, in denen er selbst bloß Liebesbeweise gegenüber seinen Kindern sah. Mein Vater gehörte zu den Dads, die ein Foto von ihrer nackten dreijährigen Tochter in das Bad im Erdgeschoss hängen, dasjenige, das die Gäste benutzen. Gott sei Dank hat er das mit meiner kleinen Schwester Lindsey gemacht. Diese Erniedrigung blieb mir zumindest erspart. Doch er erzählte gern, wie ich, sobald Lindsey geboren war, so eifersüchtig auf sie wurde, dass ich eines Tages, als er im Nebenzimmer am Telefon war, auf der Couch entlangrobbte - er konnte mich von seinem Standort aus sehen - und versuchte, Lindsey in ihrem tragbaren Bettchen anzupinkeln. Diese Geschichte demütigte mich jedes Mal, wenn er sie erzählte, dem Pastor unserer Kirche, unserer Nachbarin Mrs. Stead, die Therapeutin war und deren Einstellung dazu er hören wollte, und jedem, der irgendwann mal meinte: "Susie hat eine Menge Mumm!"
"Mumm!", pflegte mein Vater dann zu sagen. "Über ihren Mumm kann ich Ihnen was erzählen", und dann ließ er umgehend seine Wie-Susie-Lindsey-anpinkelte-Geschichte vom Stapel.
Wie sich aber erwies, hatte mein Vater uns Mr. Harvey gegenüber nicht erwähnt und ihm auch nicht die Wie-Susie-Lindsey-anpinkelte-Geschichte erzählt.
Später sollte Mr. Harvey, als er auf der Straße mit meiner Mutter zusammenstieß, diese Worte sagen: "Ich habe von der grässlichen, grässlichen Tragödie gehört. Wie hieß Ihre Tochter noch mal?"
"Susie", sagte meine Mutter, die unter der Last des Namens all ihre Kräfte zusammennehmen musste, einer Last, von der sie naiverweise hoffte, dass sie irgendwann leichter werden würde, denn sie wusste nicht, dass sie für den Rest ihres Lebens nur auf neue und mannigfaltige Weise schmerzen würde.
Mr. Harvey sagte das Übliche: "Ich hoffe, sie kriegen den Mistkerl. Es tut mir Leid, dass Sie sie verloren haben."
Ich war inzwischen in meinem Himmel, wo ich meine Gliedmaßen zusammensetzte und seine Dreistigkeit nicht fassen konnte. "Der Mann hat kein Schamgefühl", sagte ich zu Franny, meiner Aufnahmeberaterin. "Genau", sagte sie, und das war alles, was sie antwortete. In meinem Himmel gab es nicht viel Gequatsche.




Hier die Quelle: http://www.buch.de/shop/home/rubrikartikel/ID17438260.html?ProvID=10910550
 14. Juni 2013
Dort könnt Ihr sogar noch mehr lesen und virtuell umblättern. 

Mittwoch, 12. Juni 2013

Inhaltsangabe: Küssen auf eigene Gefahr von Susan Andersen

Inhaltsangabe: Küssen auf eigene Gefahr von Susan Andersen

In dem Roman von Susan Andersen „Küssen auf eigene Gefahr“ geht es um die beiden Zwillinge Kaylee und Catherine MacPherson. Catherine führt ein normales Leben als Lehrerin für Gehörlose. Sie trägt weite, gemütliche Klamotten und sorgt für Ruhe und Ordnung in ihrem Leben. 
Kaylee hingegen arbeitet als Tänzerin. Sie bringt sich regelmäßig selbst in Schwierigkeiten und lässt ihre Schwester dann ihre Probleme lösen.
Als eines Tages Kaylee vor Catherines Haustür steht, ahnt Catherine bereits, dass das nichts Gutes bedeuten kann.
Nachdem Kaylee ihr eine nahezu unglaubliche Geschichte erzählt, in der sie einen Mordauftrag belauscht hat, flüchtete sie über die Staatsgrenze zu ihrer Schwester. Kaylee hat aber noch mehr Probleme im Gepäck: Obwohl sie wegen Autodiebstahls verhaftet worden war, und nur auf Kaution herauskam, ist sie über die Staatsgrenze geflüchtet, was zur Folge hat, dass ihr Kautionsverleiher einen Kopfgeldjäger auf ihre Fersen ansetzte.
Sam McKade krallt sich in Catherines Haus die falsche Zwillingsschwester und entführt sie. Da er sein Budget schon nahezu aufgebraucht hat, muss er auf die preiswertere Rückreisemethode, den Greyhound-Bus, zurückgreifen.
Catherine versucht wiederholt Sam zu erklären, dass sie nicht die Schwester ist, für die er sie hält. Und so versucht sie ihm das Leben möglichst schwer zu machen.
Kaylee wird von ihrem Freund Bobby LaBon in Catherines Haus abgefangen. Zusammen mit ihm macht sie sich auf den Weg, ihre Schwester aus den Händen des Entführers zu befreien, und sie vor den Männern zu beschützen, die es eigentlich auf sie abgesehen haben. 
Als Jimmy Chains, der von seinem und Kaylees Boss, Hector Sanchez, auf Kaylees Kopf angesetzt wurde, dann auch noch mit vorgehaltener Waffe vor Catherine auftaucht, ist das Chaos perfekt, denn: Chains weiß nichts von Kaylees Zwillingsschwester. Und ganz nebenbei bemerkt Kaylee wie viel ihr Bobby bedeutet und auch Catherine entdeckt ihre Gefühle für ihren neuen, erzwungenen Weggefährten. 





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Dienstag, 11. Juni 2013

Rezension: Küssen auf eigene Gefahr von Susan Andersen

Rezension: Küssen auf eigene Gefahr von Susan Andersen

Die Inhaltsangabe für Susan Andersens Roman Küssen auf eigene Gefahr könnt ihr oben nachlesen. 
SusanAndersen beeindruckt wieder mit einem spritzigen, erotischen, lustigen und jugendlichen Roman.
Besonders ergriffen hat mich an Susan Andersens Romanen immer öfter, dass das Verhalten eines der Protagonisten so grundverschieden von ihr und ihm gedeutet werden kann, und wie sie die Gefühlswelt und die Gedanken der beiden lebhaft beschreibt.
Andersen beschreibt in „Küssen auf eigene Gefahr“, warum Catherine nicht gut auf die Arbeit von Sam zu sprechen ist. Er erklärt ihr, wenn auch etwas spät, wie er zu seiner Arbeit steht, und warum er als Kopfgeldjäger arbeiten muss.
Diese Argumentationskette ist notwendig, damit man erstens die „Seelenverwandtschaft“ zwischen Catherine und Sam erkennt, aber auch zweitens um die Geschichte überhaupt so ausbauen zu können, und Catherine mit Sam zu verkuppeln.
Dass aber eben diese Argumentationskette notwendig ist, macht die Geschichte wieder unglaubwürdig, und sie wirkt an den Haaren herbeigezogen, wobei es auch oft im wirklichen Leben so ist, dass auf jede Aktion eine Reaktion folgt, und so eine Kette in Gang gebracht wird, die zu einem Ereignis führt, das so nicht eingetreten wäre, wenn die erste Aktion nicht alles in Gang gebracht hätte.
Was mich persönlich immer wieder aus dem Lesefluss gebracht hat, war ein vulgäres Schimpfwort, was für mich nicht in die Sprache hineinpasst, allerdings kann dies auch an der Übersetzung liegen.
Alles in allem hat mir Susan AnderesenKüssen auf eigene Gefahr“ gut gefallen. Der Witz, die knisternden Wortgefechte und auch die Charakterdarstellung waren sehr interessant und haben dem Roman die gewisse Würze verliehen. Die Geschichte um Kaylee und Catherine ist ein bisschen verworren, nicht zuletzt, weil man mit erlebt wie sich beide Schwestern weiter entwickeln. Ich kann den Roman nur jedem empfehlen, der sich etwas leichte Nachmittagslektüre davon erhofft.