Montag, 28. Oktober 2013

Inhaltsangabe: Gefährliche Liebe von Susan Andersen

Inhaltsangabe: Gefährliche Liebe von Susan Andersen

Im Roman „Gefährliche Liebe“ von Susan Andersen geht es um die Tänzerin Amanda Rose Charles. Als Amanda und Rhonda, ihre Freundin, Kollegin und Mieterin, ihre gemeinsame Freundin Maryanne vermissen, und die Fernsehnachrichten von einem weiteren Opfer des Showgirl-Schlächters berichten, machen sie sich sorgen. Sie rufen bei der Polizei an, und identifizieren den Leichnam von Maryanne. Beide Frauen werden während der Ermittlungen zu Zeuginnen der Polizei, da der Täter es erst auf Rhonda absieht und versucht sie umzubringen, und später regelmäßig nachts bei Amanda anruft um ihr seine Bewunderung auszudrücken.
Lieutenant Tristan MacLaughlin wird aus Seattle nach Reno versetzt um die Morde an den Tänzerinnen aufzuklären. Der Mann, der emotional noch nie mit jemandem verbunden war, ist er doch im Waisenhaus aufgewachsen und hatte auf Grund seiner Schüchternheit keine Freunde, entwickelt Gefühle für Amanda.
Auch Amanda, von ihren Eltern zum emotionalen Krüppel erzogen und von ihrer geliebten Schwester viel zu früh verlassen, fällt es zu Anfang schwer die Gefühle zu dem verschlossenen Mann zuzulassen.
Trotz aller Widrigkeiten finden die beiden zueinander, doch die beiden können ihre Zweisamkeit kaum genießen, denn dann droht das zarte Band der Gefühle, das Tristan und Amanda verbindet schon zu zerreißen. 





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Rezension: Gefährliche Liebe von Susan Andersen

Rezension: Gefährliche Liebe von Susan Andersen

Die Inhaltsangabe von Susan Andersens Roman „Gefährliche Liebe“ findet ihr oben.
Ich habe gerade erst Susan Andersens „Todesspirale“ gelesen, der mir zu Anfang eigentlich ganz gut gefallen hatte, allerdings hat sich schnell heraus kristallisiert, dass Sasha Miller ziemlich naiv ist, und obwohl man die Romane auf vielerlei Ebenen vergleichen kann, so auch die Naivität von Amanda Charles, muss man doch sagen, dass sie zumindest nicht ganz so töricht handelt wie Sasha Miller.
Am Anfang hat mir Tristan MacLaughlin recht gut gefallen, weil er nicht wieder den Stereotypen eines Romanhelden dieses Genres bedient hat. Aber mit der Zeit musste ich Duke, dem Gegenspieler von Tristan und Amanda, recht geben, denn er nennt Tristan MacArschloch.
Tristan wurde mir im Laufe des Romans so unsympathisch, dass ich den Roman mehrfach aus der Hand gelegt habe, und ihn nur aus Hoffnung, dass es doch noch besser wird, weiter gelesen habe. Auch Amanda war nicht ganz nach meinem Geschmack, vielleicht fällt es mir bei diesem Roman auch nur das erste Mal richtig auf, aber ich frage mich, warum Amanda von Susan Andersen so idealisiert wurde. Sie ist blond, hat blaue Augen, sie hat einen üppigen Busen und lange Beine, und wird kurzum, zumindest äußerlich, als perfekt geschildert.
Alles das ging mir ziemlich auf die Nerven, obwohl Tristans Charakter zum Ende hin wieder aushaltbar war, vielleicht hatte ich mich auch einfach nur daran gewöhnt. Obwohl ich mit Amanda zumindest streckenweise sympathisiert habe, vermutlich, weil sie sich meiner Meinung nach, viel zu viel von Tristan MacLaughlin hat bieten lassen, hat auch sie mich ziemlich enttäuscht, gerade weil sie sich so viel hat bieten lassen, und Tristan kaum contra gegeben hat.
Im Gegensatz dazu möchte ich Susan Andersens „Alarm auf Wolke sieben“ lobend erwähnen. Die Protagonistin, Victoria, hat der männlichen Hauptperson, John, contra gegeben und sich nicht alles gefallen lassen.
Meine große Enttäuschung von diesem Roman, muss nicht nur von der mäßig interessanten Story herrühren, da ab der Mitte des Romans ziemlich klar war, wer der Schlächter sein muss. Es ist sicher einer Mischung aus der Story, den Charakteren und der Tatsache, dass ich mir deutlich mehr von dem Roman „Gefährliche Liebe“ versprochen hatte zuzuschreiben, dass ich den Roman nicht guten Gewissens weiterempfehlen kann.

Samstag, 12. Oktober 2013

Inhaltsangabe: Nicht ohne meine Tochter von Betty Mahmoody

Inhaltsangabe: Nicht ohne meine Tochter von Betty Mahmoody

Betty Mahmoody beschreibt in ihrem Erfahrungsbericht „Nicht ohne meine Tochter“ wie sie ihren „Urlaub“ mit ihrem Mann Bozorg Mahmoody und ihrer Tochter Mahtab im Iran verlebt.
Bettys Mann, den sie liebevoll Moody nennt, lebt seit Jahren in den USA. Er ist dort Mediziner, er lebt und verhält sich wie ein Amerikaner, obwohl er weiterhin seine Religion praktiziert.
Im Sommer 1984 fährt die kleine Familie in Moodys Heimatland, den Iran. Obwohl Betty bei dieser Reise ein schlechtes Gefühl hat, will sie ihrem Ehemann diesen Gefallen tun, denn er freut sich wahnsinnig seine Familie, die noch im Iran lebt, endlich wieder zu sehen.
Im Iran angekommen verändert Moody sich und gesteht seiner Frau, dass er nicht vorhat wieder zurück in die USA zu fliegen. Er zwingt seiner Tochter und seiner Frau seinen Willen auf, die beiden dürfen nicht telefonieren oder ausgehen.
Betty versucht mehrmals zu fliehen, kommt aber nie weit. Als sie es endlich schafft in die Schweizer Botschaft zu gelangen, wo man für sie als Amerikanerin zuständig sein sollte, sagt man ihr, dass sie mit der Heirat eines Iraners die iranische Staatsbürgerschaft habe. Für sie bedeutet das, dass sie sich zwar scheiden lassen kann, und dann ohne Probleme das Land verlassen kann, aber sie müsste ihre kleine Tochter zurücklassen.
Für Betty ist klar: Ich gehe nicht ohne meine Tochter!
Doch das bedeutet für die beiden entweder weiter mit Moody unter einem Dach zu wohnen, oder auf illegalem Wege aus dem Land zu fliehen.
Betty und Mahtab entscheiden sich für letzteres, obwohl die Flucht viele Gefahren für sie birgt.




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Rezension: Nicht ohne meine Tochter von Betty Mahmoody

Rezension: Nicht ohne meine Tochter von Betty Mahmoody 

Die Inhaltsangabe von „Nicht ohne meine Tochter“ von Betty Mahmoody findet ihr oben.
Von vielen Kritikern wird immer wieder hervorgehoben, dass dieser Erfahrungsbericht sehr einseitig ist, denn Betty beschreibt sehr negativ die Umstände unter denen sie - Mahtab und Betty mit Moody und seiner Familie - im Iran leben mussten.
Ihrer Meinung nach ist das Haus, in das sie nach der Ankunft im Iran kommen dreckig, sie findet es befremdlich, dass dort bewaffnete Wachen herumlaufen, und dass man sie zwingt ihre Haare zu verbergen. Man muss beachten, dass sie unter vollkommen anderen Umständen aufgewachsen ist, und damit in eine andere Welt kommt, als sie in Moodys Heimat kommt.
Außerdem finden viele Kritiker, dass das Buch von den Iranern als Volk viel zu negativ berichtet. Dazu muss man natürlich sagen, dass Betty, wenn ihre Geschichte so stimmt wie sie sie erzählt, die Iraner im Allgemeinen als eher negativ kennengelernt hat. Schließlich hat sich Moodys gesamte Familie gegen sie zusammengeschlossen, sie abgehört und beobachtet, und umgehend Moody Bericht erstattet. Allerdings erzählt sie von ihren Fluchthelfern, die ja zumindest teilweise Iraner und Iranerinnen aber auch Moslems im Allgemeinen waren sehr positiv, und sie drückt meiner Meinung nach auch ihre tiefe Dankbarkeit diesen mutigen Männern und Frauen gegenüber aus.
Der Film zum Buch ist weitaus einseitiger, da man in diesem nicht gut erkennt, dass es sich um einen subjektiven Erfahrungsbericht handelt, sondern ihn leicht als Dokumentation missverstehen kann.
Natürlich muss man dieses Thema einer gemischtreligiösen Ehe und den beiden Kulturen, die dabei aufeinander prallen, und die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft im Islam und im Christentum differenziert betrachten, und darf nicht nur eine Seite sehen. Dabei vergessen viele Kritiker, dass Betty Mahmoody in „Nicht ohne meine Tochter“ ihre eigenen Erfahrungen widergibt, die teilweise als politisch inkorrekt angesehen werden könnten. 
Meiner Meinung nach, darf man einer Frau aber nicht ihre Stimme verbieten, nur weil man ihre Meinung nicht gut findet, deshalb kann ich dieses Buch weiterempfehlen, wobei natürlich immer im Hinterkopf bleiben sollte, dass dies ein subjektiver Bericht ist.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Inhaltsangabe: Dark Water von Kôji Suzuki

Inhaltsangabe: Dark Water von Kôji Suzuki

In seinem Roman „Dark Water“ hat Kôji Suzuki sowohl sieben Kurzgeschichten als auch Prolog und Epilog zusammengefasst. Er lässt immer neue Charaktere entstehen und bringt die Geschichten innerhalb von ungefähr 50 Seiten zum Ende. Deshalb eignen sie sich gut als „Snack für Zwischendurch“.

In Kôji Suzukis Kurzgeschichte „Dunkles Wasser“ lebt die alleinerziehende Mutter Yoshimi mit ihrer 6-jährigen Tochter Ikuko zusammen in einem Mietshaus, das auf einem Berg Müll, zur Wohnraumgewinnung, in der Tokioter Bucht erbaut wurde. Gerade als die beiden anfangen sich dort wohl zu fühlen geschieht Rätselhaftes. Yoshimi erfährt von einer Tragödie, die ihre Schatten bis in die Gegenwart wirft und auch Ikuko bleibt davon nicht unberührt.

Die nächste Kurzgeschichte von Kôji Suzuki heißt „Die einsame Insel“. Kensuke Suehiro ist der Protagonist dieser Geschichte. Er ist Lehrer und trifft einen alten Freund wieder, bei dem ihn immer wieder ein seltsames Gefühl beschleicht. Als sein Freund einige Zeit später stirbt, ist ihm klar, was sein Freund von ihm wollte. Er wollte sich verabschieden.
Die Frau, mit der er bei einem seiner letzten Besuche zusammen war, ist nach dessen Tod wie vom Erdboden verschluckt.
Als Kensuke nun 10 Jahre später zu Forschungszwecken auf eine einsame Insel vor der Küste Japans aufbricht, führt ihn eine seltsame Spur zum Mittelpunkt der Insel. Irgendetwas verbindet die Insel mit seinem alten Schulfreund.

„Strafe“ heißt die nächste Kurzgeschichte von Kôji Suzuki aus seinem Roman „Dark Water“. Hiroyuki ist verzweifelt: Wo kann seine Frau bloß stecken? Überall hat er sie gesucht. So viele Menschen hat er gefragt, ob sie sie gesehen haben. Aber niemand konnte ihm weiterhelfen.
Mit seinem kleinen Sohn Katsumi hat er sich auf den Weg in den Park gemacht. Aber auch dort hat niemand, den er fragt, seine Frau gesehen.
Zuhause angekommen überprüft er zuerst, ob sie inzwischen zurückgekehrt ist. Fehlanzeige. Nur seine Tochter und sein Vater sind zuhause.
Hiroyuki bleibt keine andere Wal als sein Leben wie gehabt fortzusetzen. Als er am nächsten Tag wieder zum Fischen aufs Meer fährt, beschleicht ihn ein seltsames Gefühl. Seine tote Frau liegt aufgedunsen in der Bünn seines Schiffs.
Seltsame Dinge geschehen und seine Frau beginnt sich scheinbar für die Gemeinheiten zu rächen, die er ihr angetan hat, als sie noch am Leben war.

In der Kurzgeschichte „Traumschiff“ von Kôji Suzuki fährt Masayuki Enoyoshi mit Ushijima und dessen Frau Minako auf See, denn die beiden wollen Enoyoshi anwerben, damit er beginnt für ihre Firma zu arbeiten.
Das Verkaufsgespräch findet auf der Yacht des Ehepaares auf dem Meer statt. Als sie kurz vor der Küste Probleme mit dem Motor bekommen entscheidet sich Ushijima, obwohl es bereits dunkel ist, dafür ins Wasser zu springen.
Scheinbar gerät Ushijima unter Wasser in Panik, denn Enoyoshi hat große Probleme ihn wieder auf die Yacht zu ziehen. Erst als Ushijima langsam wieder zu sich kommt, kann er den beiden anderen erzählen, was er gesehen hat: Einen kleinen Jungen, mit aufgedunsenem Gesicht, der sich verzweifelt am Boot festklammert.
Aber noch haben sie keine Lösung für ihr Problem gefunden: Wie kommen sie wieder zurück auf das Festland?

„Die Flaschenpost“ ist eine der letzten Kurzgeschichte aus Kôji Suzukis Roman „Dark Water“. Kazuo ist Seemann und er lebt seit fast einem Jahr auf dem Fischereischiff Wakashio Maru VII. Kurz bevor sie die Küste Japans und ihren Heimathafen erreichen entdeckt die Mannschaft eine einsam auf dem Meer treibende Yacht. Kazuo meldet sich freiwillig um auf der Yacht die Stellung zu halten, während sie, von der Wakashio Maru VII ins Schlepptau genommen, Richtung Heimathafen fahren.
Kazuo sucht auf der Yacht nach dem Eigentümer und dessen Familie. Aber die Yacht ist leer. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass ein Kampf auf ihr stattgefunden hat, außerdem gibt es keine Hinweise wo die Familie stecken könnte.
Als er einschläft, spürt er die Anwesenheit von jemand anderem, er spürt, dass ihn eine unsichtbare Macht versucht dazu zu bringen, sich selbst zu verstümmeln. Und Kazuo ist klar: Er muss so weit, von dieser unheilbringenden Yacht weg, wie möglich.

Die Kurzgeschichte „Wassertheater“ von Kôji Suzuki befasst sich mit der Schauspieltruppe Kairin Maru. Die Schauspieltruppe spielt in der ehemaligen Diskothek „Mephisto“ ihr neustes Stück und hat damit großen Erfolg. Yuichi Kamiya ist eines der Mitglieder der Truppe. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Regisseur des Stücks verlor Kamiya seine Rolle.
Während der Premiere des Stücks muss Kamiya, der inzwischen für den Ton bei den Aufführungen verantwortlich ist, ein Problem lösen, das auftrat: Von der Decke über der Bühne beginnt während der Aufführung Wasser zu tropfen.
Kamiya versucht das Problem zu lösen, und stößt dabei auf ein neues, viel unheimlicheres Problem, das hinter einer verschlossenen Tür, in der Dunkelheit, lauert.

Die letzte Kurzgeschichte „Der unterirdische See“ ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil spielt im Frühwinter 1975, und der zweite Teil knappe 20 Jahre später im Sommer 1995.
Sugiyama und Sakakibara wollen zusammen eine bisher unentdeckte Höhle erforschen. Immer wieder beschleicht Sugiyama eine böse Vorahnung, dass etwas passieren könnte und dennoch kann er sich der magischen Anziehung der Höhle nicht entziehen. Während ihrem Abstieg geschieht ein Unglück und Sugiyama muss sehen, wie er einen anderen Ausgang aus seiner misslichen Lage findet.
20 Jahre später findet Sugiyamas Sohn Takehiko den Weg in die Höhle, die damals sein Vater entdeckte. Er erkundet sie und versucht das nachzuerleben, was sein Vater vor ihm erlebte, und entdeckt dabei ebenfalls die geheimnisvollen Anziehungskräfte dieser Höhle.

Leseprobe: Dark Water von Kôji Suzuki

Leseprobe: Dark Water von Kôji Suzuki

Immer wenn ihr Sohn mit seiner Familie aus Tokio zu einem längeren Besuch da war, pflegte Kayo frühmorgens mit ihrer Enkelin Yuko spazieren zu gehen. Ihr Ziel war stets das Kap Kannon an der östlichsten Spitze der Miura-Halbinsel. Die Runde um die Landzunge herum und zurück nach Hause war keine drei Kilometer lang und damit genau das Richtige für einen gemütlichen Spaziergang. Wenn sie die große Aussichtsplattform erreichten, von der aus man einen fantastischen Blick hatte, zerrte Yuko stets ungeduldig an der Hand ihrer Großmutter und bestürmte sie mit Fragen. Dabei zeigte sie auf alles weit draußen auf dem Meer, das ihre Neugier weckte. Kayo wimmelte ihre Enkelin nicht ab, sondern gab geduldig Antwort auf alles, was sie wissen wollte.
Yuko war am Vortag angekommen, um einen Teil der Sommerferien bei ihrer Großmutter zu verbringen. Sie erklärte, sie müsse erst in einer Woche nach Hause zurückfahren. Kayo freute sich riesig, so viel Zeit mit ihrer Enkelin verbringen zu dürfen.
Die entferntesten Ecken der Bucht von Tokio jenseits des Ballungsgebiets von Tokio und Yokohama lagen im Dunst. Obwohl man nur selten klare Sicht über die ganze Bucht hatte, wurde rasch deutlich, dass sie größer war, als man auf den ersten
Blick glaubte. Die Berge der Boso-Halbinsel jenseits des Uraga-Sundes dagegen waren deutlich zu sehen - hohe, scharfe Umrisse, die vom Nokogiriyama bis zum Kanozan reichten.
Yuko ließ das Geländer los und streckte die Arme aus, als wollte sie in der Luft irgendetwas fangen. Eine lange, schmale Sandbank erstreckte sich vom Kap Futtsu auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht ins Meer. Man hatte wirklich das Gefühl, sie berühren zu können, wenn man nur die Hand weit genug ausstreckte.
Kap Futtsu und Kap Kannon markierten quasi die Einfahrt zur Bucht von Tokio. Zahlreiche Frachtschiffe pendelten in zwei getrennten Fahrrinnen zwischen den beiden ins Meer ragenden Landzungen hin und her. Yuko winkte den Frachtern zu, die von ihrem Platz auf der Aussichtsplattform aussahen wie Spielzeugboote. An den Stellen mit starker Strömung waren die Fahrrinnen mit gestreiften Bojen markiert. Jede Flut füllte die Bucht mit Wasser vom offenen Meer, das sich mit der Ebbe wieder zurückzog. Aus diesem Grund heißt es wahrscheinlich so oft, dass der gesamte Müll aus der Bucht von Tokio an Kap Kannon und Kap Futtsu angespült wird. Man stelle sich die Bucht von Tokio wie ein riesiges Herz vor, an dem die Landzungen zu beiden Seiten genau wie Herzklappen funktionieren und den Unrat herausfiltern, der durch den sanften Strom der Gezeiten im Wasser herumgetrieben wird.
Die Ähnlichkeit geht über den Kreislauf des Meerwassers hinaus: Die Flüsse Edo, Ara, Sumida und Tama dienen als Blutgefäße, die die Bucht von Tokio mit frischem Wasser versorgen. Unter dem angespülten Treibgut findet sich alles Mögliche, von alten Autoreifen, Schuhen und Kinderspielzeug bis hin zu den Trümmern leckgeschlagener Fischerboote und hölzernen Türschildern mit Adressen aus weit entfernten Städten wie Hachioji. Viele Menschen wundern sich darüber. Wie um alles in der Welt gelangen all diese Sachen ins Meer? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen: Bowlingkegel, Rollstühle, Trommelschlägel und sogar Damenunterwäsche.
Jedes Stück Treibgut, das auf die Küste zuschwamm, faszinierte Yuko.
Auch die Fantasie von Strandgutsammlern wird von den angespülten Dingen angeregt und treibt mitunter seltsame Blüten. So kann man sich beim Anblick eines auf dem Wasser schaukelnden Motorradbeiwagens gut einen heißen Ofen vorstellen, der einen Pier entlangrast und schließlich ins Meer stürzt. Eine Plastiktüte voller gebrauchter Spritzen dagegen riecht womöglich nach kriminellen Machenschaften. Jedes Stück Treibgut, das an Land gespült wird, hat seine eigene Geschichte. Jeder, der auf ein besonders faszinierendes Exemplar stößt, täte gut daran, noch einmal zu überlegen, bevor er es aufliest, denn sobald solche Fundsachen in unachtsame Hände geraten, werden ihre verborgenen Geheimnisse gelüftet. Das ist gut und schön, wenn dabei eine harmlose, herzerwärmende Geschichte herauskommt. Dagegen kann es einen ganz schön durcheinander bringen, wenn etwas so Grauenhaftes zutage tritt, dass einem das Blut in den Adern gefriert.
Wenn du das Meer liebst, ist das erst recht ein Grund, einen kühlen Kopf zu bewahren. Du hebst etwas auf, das wie ein Gummihandschuh aussieht, nur um festzustellen, dass es in Wirklichkeit eine abgehackte Hand ist. Nach so einem Erlebnis willst du vielleicht nie wieder am Strand spielen. Wie sollst du jemals vergessen, was für ein Gefühl es war, als dir dämmerte, dass du gerade eine abgehackte Hand aufgelesen hattest?
Mit derartigen beiläufigen Bemerkungen pflegte Kayo ihrer Enkelin Angst einzujagen. Jedes Mal, wenn Yuko darum bettelte, dass ihre Großmutter noch eine ihrer Gruselgeschichten erzählte, erfand Kayo ein Abenteuer zu einem Stück Treibgut. Sie wusste, dass Yuko in der kommenden Woche wahrscheinlich jeden Tag um eine neue Gruselgeschichte bitten würde, sobald sie zu ihrem Morgenspaziergang aufbrachen. Doch Kayo kannte eine Menge Geschichten - und was für welche! Jener überraschende Fund, den sie vor zwanzig Jahren eines Morgens am Strand gemacht hatte, war wie ein Zündfunke für ihre Fantasie gewesen und es bis heute geblieben. Seither konnte sie um jedes beliebige Stück Treibgut, das am Ufer schwamm, bizarre Geschichten erfinden.
"Es war bestimmt schon einmal ein Schatz dabei, oder?" Yuko wollte wissen, ob jemals etwas richtig Wertvolles angespült worden war, nicht nur die üblichen gruseligen Sachen. Alle möglichen Schiffe, von winzigen Booten bis hin zu riesigen Frachtern, pflügten eifrig durch die schmalen Fahrrinnen unten in der Bucht. Yuko war der Gedanke gekommen, dass doch sehr gut einmal eine Schatztruhe oder Ähnliches aus einer der Kabinen gefallen sein konnte.
"O ja, das wird wohl so sein", orakelte Kayo gedehnt.
"Das will ich", verlangte Yuko, machte allerdings keinerlei Anstalten zu erklären, was sie damit meinte.
"Du könntest schon einen Schatz haben", erwiderte Kayo. Es war klar, dass mit diesem Angebot eine Bedingung verknüpft war.
"Wenn was?"
"Wenn du mir nächste Woche auf meinen Spaziergängen Gesellschaft leistest."
"Ja klar, mache ich."
"Dann bekommst du deinen Schatz an dem Morgen, bevor du wieder nach Tokio fährst." "Versprochen?"
Um den Handel zu besiegeln, leisteten sie einen Schwur, indem sie sprachen: "Ehrenwort, Hand aufs Herz."
Kayo wusste nicht genau, ob Yuko mit dem Schatz, den sie für sie bereithielt, zufrieden sein würde.






Quelle: http://www.amazon.de/Dark-Water-Koji-Suzuki/dp/3770461207 28.8.2013

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Interview: "Wir haben gemeinsam geatmet" von Bozorg Mahmoody

Interview: "Wir haben gemeinsam geatmet" von Bozorg Mahmoody
Damit eine differenzierte Meinungsbildung möglich ist, habe ich das Interview von Bozorg Mahmoody auch eingestellt:


vom 22.07.1991

Wir haben gemeinsam geatmet

SPIEGEL-Interview mit Bozorg Mahmoody über seine Frau Betty und deren Buch "Nicht ohne meine Tochter"


SPIEGEL: Warum reagieren Sie auf das Buch Ihrer Frau erst heute, nachdem es bereits 1987 in den USA erschienen ist?
MAHMOODY: Ich bin ein sehr aktiver Mensch, ich arbeite in verschiedenen Krankenhäusern, unterrichte in der Universität, ich habe 24 Stunden am Tag zu tun. Ich bin Anästhesie-Spezialist und ständig im Einsatz. Bisher bin ich einfach nicht dazu gekommen.
SPIEGEL: Warum sind Sie 1984 gemeinsam mit Ihrer Frau Betty und Tochter Mahtab in den Iran gekommen?
MAHMOODY: Jeder, der im Ausland lebt, hat das Bedürfnis, irgendwann in seine Heimat zurückzukehren. Zum einen wollten wir Besuche abstatten, zum anderen wollte ich meinen Landsleuten meine Dienste erweisen.
SPIEGEL: Welche Dienste?
MAHMOODY: Ärztliche. Im Operationssaal und in der Universität.
SPIEGEL: Wollten Sie auch die Revolution unterstützen?
MAHMOODY: Auf jeden Fall. Als wir in den Iran zurückkehrten, befand der Iran sich auf dem Höhepunkt der Revolution. Außerdem kämpften wir in einem uns aufgezwungenen Krieg.
SPIEGEL: Sie reden von politischer Verantwortung gegenüber Ihrem Land. Ihre Frau hat dagegen ein Buch geschrieben, in dem sie den Islam angreift.
MAHMOODY: Ich habe das Buch nicht gelesen. Ich weiß nicht, was sie über meine Person, über iranische Kinder oder die Revolution geschrieben hat.
SPIEGEL: Warum haben Sie das Buch nicht gelesen?
MAHMOODY: Zunächst wußte ich doch nichts davon.
SPIEGEL: Und welches Gefühl hatten Sie, als Sie dann von dem Buch gehört haben?
MAHMOODY: Ich habe mich gewundert, worüber sie ein Buch geschrieben haben konnte. Solange wir zusammen waren, hatten wir keine so großen Meinungsunterschiede, daß sie später hätte ein Buch darüber schreiben können. Ich war ihr ein sehr guter Ehemann und habe sie in jeder Hinsicht mehr als hinreichend versorgt. Es fehlte ihr an nichts.
SPIEGEL: Haben Sie Ihrer Frau, als Sie sie kennenlernten, verschwiegen, daß Sie Moslem sind?
MAHMOODY: Nein, wir haben gleich darüber geredet. Als wir heiraten wollten und weil sie wußte, daß ich ein islamisches Leben führte, trat auch sie in einer Moschee in Houston dem Islam bei.
SPIEGEL: Wie charakterisieren Sie Betty?
MAHMOODY: Sie ist eine sehr fleißige Person, sie hat einen guten Geschmack, sie kann gut kochen, sie kann nähen. Sie ist clever und liebenswert.
SPIEGEL: Lieben Sie sie noch?
MAHMOODY: Sie ist die Mutter meiner Tochter. Aber jemand, der einseitig die Familienbande auseinanderreißt, jemand, der nicht bedenkt, daß sein eigenes Kind, genauso wie es eine Mutter braucht, auch einen Vater braucht, und jemand, der auf diese Weise seinem Heim entflieht und seinem Kind die väterliche Liebe und Zuwendung entzieht, den kann man als Ehepartner nicht mehr lieben. Betty hat alle familiären Werte mit den Füßen getreten. Wir hatten eine sehr warme Gemeinschaft, meine Frau, meine Tochter Mahtab und ich. Das war offensichtlich, man merkte es sowohl an Mahtabs Verhalten als auch an ihren guten Schulnoten. Sie war die beste Schülerin ihrer Klasse.
SPIEGEL: Ihre Frau behauptet in dem Buch, die Tochter habe unter den häuslichen Verhältnissen entsetzlich gelitten.
MAHMOODY: Wir hatten eine warme und zarte Beziehung. Und dann wurde ich eines Tages für einen Notfall ins Krankenhaus gerufen, ein Soldat hatte eine Chemieverletzung. Als ich wieder nach Hause kam, war sie weg und meine Tochter auch. Sie war weg, weg, weg. So etwas Herzloses! Mahtab ist doch auch meine Tochter.
SPIEGEL: Betty Mahmoody schreibt, sie habe alles zum Wohle ihres Kindes getan.
MAHMOODY: Wer sein Kind liebt, dem muß doch klar sein, daß es sowohl Mutter- als auch Vaterliebe braucht. Hätte ich dem Kind die Mutterliebe entzogen, dann wäre ich für jeden ein herzloser, skrupelloser Mensch. Betty aber hat geglaubt, das Kind braucht nur eine Mutter und keinen Vater. Ist das vielleicht nicht herzlos? Mir hat sie die Liebe meiner Tochter entzogen und Mahtab die Liebe des Vaters.
SPIEGEL: Ihre Frau wirft Ihnen vor, Sie hätten Ihre Tochter geschlagen.
MAHMOODY: Das ist absolut falsch.
SPIEGEL: Warum haben Sie nicht versucht, mit Ihrer Tochter Kontakt aufzunehmen?
MAHMOODY: Genauso wie Betty ihren ersten Mann in den Augen ihrer beiden Söhne angeschwärzt hat - sie hat ihnen erzählt, er sei bösartig und hartherzig -, genauso ein Monster wird sie meiner Tochter gegenüber aus mir gemacht haben.
SPIEGEL: Wann fingen die Schwierigkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Frau an?
MAHMOODY: Schon in Amerika mochte sie es nicht, wenn ich meinen religiösen Pflichten nachging. Im Fastenmonat Ramadan haben wir Moslems die Möglichkeit, Körper und Seele zu reinigen. An manchen Abenden bleiben wir auf und beten bis zum Morgen. Normalerweise beten wir in diesen Nächten gemeinsam mit anderen Moslems. Ich war der einzige Moslem in unserer Gegend - außer Betty natürlich, die nicht mitbeten wollte. Da saß ich nun also allein und betete, versuchte zu beten, denn immer wieder kam Betty und meinte, ich solle endlich ins Bett kommen, es sei Schlafenszeit.
SPIEGEL: Warum, glauben Sie, ist sie Ihre Frau geworden?
MAHMOODY: Ich bin sicher, sie liebte mich. Sie hatte gesagt: "Honey, I will go with you to any place in the world, just to be with you." Außerdem hat sie freiwillig meine Religion angenommen. Sie hat für uns und unsere Freunde persisch gekocht, nach persischer Art, und zur Freude aller haben wir das Gedeck auf dem Boden ausgebreitet.
SPIEGEL: Glauben Sie, daß Betty Ihre Frau wurde, weil sie den Wunsch nach einem besseren Leben hatte?
MAHMOODY: Das ist wohl wahr. Das Leben in dem kleinen Elsie in Michigan war nicht gerade besonders aufregend. Betty hatte eine gescheiterte Ehe hinter sich, zwei halbwüchsige Söhne, und sicher versprach sie sich eine bessere gesellschaftliche Stellung als Arztfrau. Sie brauchte einen Vater für ihre Söhne, finanzielle Absicherung, und sie wollte in eine größere Stadt. Alles dieses habe ich ihr geboten.
SPIEGEL: Ihre Frau schreibt, daß sie einen amerikanischen Moody geliebt habe, den sie auch geheiratet habe. Abgelehnt habe sie Sie erst, als Sie sich zur eigenen Kultur und Religion bekannt hätten.
MAHMOODY: Für Betty, wie für viele andere Amerikaner auch, ist alles Nichtamerikanische verpönt und schlecht. Für die zählt nur Amerika und noch mal Amerika, that''s it. Outside USA is hell on earth. Ich dachte, Betty sei anders. Wir hatten eine große Doppelgarage, die hatten wir ausgeräumt und als Gebetraum für die Islamische Gemeinschaft Südtexas eingerichtet. Das war 1978. Und Betty war die Sekretärin dieser Gemeinschaft.
SPIEGEL: Wie wichtig war Geld für Betty? _(* Im Mai in Hamburg. )
MAHMOODY: Sie hat sehr viel Wert darauf gelegt, viel Geld zu haben. Von dem Geld, das ich verdiente, hat sie hin und wieder auch ihre Familie unterstützt. Wir hatten immer gemeinsame Konten, und Betty hatte vollkommen freien Zugriff. Ich habe Betty vertraut, schließlich war sie meine Frau, wir haben das Leben geteilt, oder - wie wir sagen - wir haben gemeinsam geatmet. Ich habe sie geehrt und nichts vor ihr verborgen. Eines Tages kam die Frau eines befreundeten ägyptischen Arztes zu mir und erzählte mir, daß Betty unser gesamtes Bankguthaben von unserem Konto abgehoben und versteckt habe. Als ich Betty gefragt habe, warum sie das denn nur getan habe, antwortete sie, sie sei sauer und wolle mich verlassen. Das war 1978 oder ''79.
SPIEGEL: Als Sie dann im Iran waren, haben Sie Betty geschlagen?
MAHMOODY: Das ist eine Lüge. Obwohl ich manchmal den Eindruck hatte, sie wäre gern von mir geschlagen worden.
SPIEGEL: Wie kommen Sie darauf?
MAHMOODY: Betty hatte zwei Schwestern und drei Brüder. Ken, der Mann ihrer Schwester Caroline, war Landwirt. Oft kam Betty zu mir und erzählte, Ken habe Caroline blau und grün geschlagen. Offensichtlich waren Prügel in ihrer Familie üblich.
SPIEGEL: Haben Sie sie nun geschlagen oder nicht?
MAHMOODY: Sehen Sie, ich bin ein religiöser Mann. Der Islam schreibt mir vor, meine Frau zu ehren und zu achten. Niemals habe ich die Hand gegen sie erhoben, obschon - und wie bereits gesagt - ich den Eindruck hatte, sie wünschte sich, von mir geschlagen zu werden. Sie stellte die Prügel, die Caroline von Ken bezog, so schillernd dar, daß ich den Eindruck gewann, Betty wolle damit mich animieren, sie zu schlagen.
SPIEGEL: Wollen Sie sagen, Betty sei masochistisch veranlagt?
MAHMOODY: So scheint es. Ich zog es jedoch vor, mich entsprechend meines Standes, meiner Ausbildung, meiner Religion und meines Alters zu verhalten und mit ihr die Probleme zu besprechen. Ich habe sie weder geschlagen noch beschimpft. In den gesamten 20 und mehr Jahren, die ich in Amerika verbrachte, habe ich nicht ein einziges Mal dieses gängige Wort mit den vier Buchstaben in den Mund genommen. Dazu schäme ich mich zu sehr.
SPIEGEL: Betty beschwert sich über die schlechte Behandlung durch Sie und Ihre Familie.
MAHMOODY: Da sehen Sie es. Im Flughafen wurden wir wärmstens empfangen mit Blumen und Goldarmreifen für Betty und Mahtab. Wirklich, unsere Familie und unsere Freunde hätten nicht herzlicher und liebevoller sein können. Mit dem bißchen Englisch, das meine Familie konnte, nannte sie Betty liebevoll "Sister Betty". Die Familie hatte sie ins Herz geschlossen.
SPIEGEL: Warum haben Sie Betty nicht von Anfang an gesagt, daß Sie vorhatten, im Iran zu bleiben?
MAHMOODY: Sie wußte, wie sehr ich den Iran liebe und daß man mir im Krankenhaus in Amerika gesagt hatte, daß ich, wenn ich in meine Heimat ginge, nicht wieder zurückzukommen brauchte. Wo hätte ich arbeiten sollen in den Staaten? Ich hatte Freunde und Anwälte gebeten, sich nach Arbeit für mich umzusehen. Hoffnungslos.
SPIEGEL: Betty behauptet, im Iran festgehalten worden zu sein.
MAHMOODY: Das ist doch lächerlich. Hätte ich meine Familie tatsächlich beauftragt, sie zu bewachen, wäre sie heute noch im Iran. Im Gegenteil, als ihr Vater krank war und im Sterben lag, habe ich ihr einen Hin- und Rückflug gekauft und für die Geschenke, die sie ihrer Familie mitnehmen sollte, im voraus 25 Kilogramm Übergepäck bezahlt.
SPIEGEL: Sie hatten ihr aber verboten, Ihre Tochter mitzunehmen.
MAHMOODY: Mahtab ging damals in die Schule, es war mitten im Schuljahr, ich hatte gerade angefangen zu arbeiten, bekam also auch gar keinen Urlaub. Außerdem verdiente ich noch nicht soviel Geld, aber ich hatte ihr zugesichert, daß wir im Sommer alle zusammen fliegen würden. Und dann war sie plötzlich verschwunden - und meine Tochter auch. Ich war zu Tode geängstigt: eine Amerikanerin ohne besondere Sprachkenntnisse, die Tasche voll Geld und Gold, allein in einer Metropole mitten im Krieg. Ich hatte Angst um das Leben meiner Frau und meiner geliebten Tochter.
SPIEGEL: Sie ist geflohen, weil sie von Ihnen im Iran gefangengehalten wurde.
MAHMOODY: Gefangen?! Sie hatte die Schlüssel zum Haus, das Telefon zur freien Verfügung, sie konnte kommen und gehen, wann immer sie wollte, wohin immer sie wollte. Glauben Sie mir, wenn ich sie hätte festhalten wollen, wäre sie heute noch hier.
SPIEGEL: Sowohl im Buch als auch im Film werden Sie als ein immer aggressiver werdender Mensch dargestellt, der zum Schluß sogar seine Tochter schlägt.
MAHMOODY: Ich liebe meine Tochter, ich liebe sie über alles. Ich selbst habe meine Mutter sehr früh als Junge verloren. Als Mahtab geboren wurde, habe ich das Antlitz meiner Mutter in ihr gesehen. Mahtab ist für mich, wie wir im Persischen sagen, mein Leben - verzeihen Sie die Tränen -, für mich grenzte das an ein Wunder, als wenn meine verstorbene Mutter durch Mahtab wieder zum Leben gefunden hätte.
SPIEGEL: Im deutschen Fernsehen war Ihre Frau mit einer Pistole zu sehen. Sie sagte, sie fürchte sich vor dem Tag, an dem sie Sie töten müsse.
MAHMOODY: Ich frage Sie, kann eine Frau, die in der Lage ist, auch nur daran zu denken, den Vater ihres Kindes zu ermorden, ernsthaft Liebe für ihr Kind empfinden? Sie ist so egoistisch und unfair zu Mahtab. Weiter sage ich nichts. Urteilen Sie selbst.
SPIEGEL: Ihre Frau sagt, sie erziehe Mahtab bikulturell. Sie erzähle ihr von Ihnen und feiere für Mahtab das iranische Neujahrsfest.
MAHMOODY: Sie lügt! Wäre das wahr, würde sie mich zu Neujahr anrufen und Mahtab die Gelegenheit geben, mir ein gutes neues Jahr zu wünschen, und mir die Gelegenheit, meiner Tochter Glück zu wünschen.
SPIEGEL: In ihrem Buch schwört Ihre Frau Rache.
MAHMOODY: Was ist das für eine Rache, die eigene Tochter vom Vater zu trennen. Im Persischen gibt es für jede Situation ein geeignetes Sprichwort oder eine Redewendung. Auf diese Situation würde folgendes zutreffen: Sie ist gegangen, um ein Taschentuch zu kaufen, und weil sie es nicht bekommen konnte, hat sie den ganzen Basar abgebrannt.
SPIEGEL: Ihre Aussagen und die Ihrer Frau sind vollkommen widersprüchlich. Wem sollen wir glauben?
MAHMOODY: Wenn Sie sonst nichts aus diesem Interview mitnehmen, dann bitte nur dieses: Diese Frau braucht psychologische Hilfe. *VITA-KASTEN-1 *ÜBERSCHRIFT:
Bozorg Mahmoody *
lebt und arbeitet als Anästhesist und Chiropraktiker im Iran. Der gläubige Moslem war 1964 zum Studium in die USA gekommen, praktizierte in den Staaten als Arzt und heiratete 1977 eine Amerikanerin. 1984 fuhr er mit seiner Frau Betty und der gemeinsamen Tochter Mahtab zu einem Verwandtenbesuch in den Iran. Nach Angaben von Betty Mahmoody sollte dies nur ein vorübergehender Aufenthalt sein. Dagegen bestätigt Bozorg Mahmoody, 54, heute, daß er von Anfang an geplant habe, in seiner Heimat zu bleiben. Betty Mahmoody fühlte sich schon bald im Iran als Fremde. Ihr Mann wollte sie aber nur unter der Bedingung ziehen lassen, daß die Tochter bei ihm bleibe. So entschloß sich Betty Mahmoody zur Flucht mit ihrer Tochter. Über ihre Erlebnisse im Land und die Flucht schrieb sie - gemeinsam mit dem Autor William Hoffer - das Buch "Nicht ohne meine Tochter", das 1987 in den USA erschien und schon bald ein internationaler Bestseller wurde. Allein die deutsche Ausgabe hat inzwischen eine Auflage von mehr als drei Millionen Exemplaren. Auch der nach dem Buch gedrehte Hollywood-Film mit Sally Field in der Hauptrolle wurde ein Erfolg. In zahlreichen Talk-Shows berichtete Betty Mahmoody von ihren Erlebnissen. Die Universität Michigan zeichnete sie mit einem Ehrendoktortitel aus, die Brigham Young University in Utah verlieh ihr den Freedom Award. Doch wurde auch heftige Kritik geübt. Vor allem mit Moslems verheiratete Frauen in den USA und in der Bundesrepublik Deutschland warfen ihr vor, mit ihrem Buch und ihren Auftritten die Vorurteile gegen bikulturelle Ehen zu schüren. In einem SPIEGEL-Interview, das im Iran auf persisch geführt wurde, äußert sich Bozorg Mahmoody erstmals zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. SPIEGEL TV Reportage dokumentiert das Gespräch am Dienstag abend (23.05 Uhr, Sat 1).
* Im Mai in Hamburg.



Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13490005.html 28.8.2013